Der Vinschgau: reich an Brauchtum & Tradition

Mundart, Feuer, Scheiben­­schlagen

In der Kulturregion Reschensee werden Brauchtum und Traditionen ebenso gepflegt wie Kunst, Kultur und Biodiversität. Dabei schließen Tradition und Innovation einander nicht aus, im Gegenteil: Uralte Rituale sind ein authentischer Teil unseres modernen Lebensstils

Traditionen im Jahreskreis werden nicht bloß inszeniert, sondern mit Überzeugung gelebt. Brauchtum im Oberen Vinschgau hat viele Namen: Almabtrieb nach einem satten Bergsommer, Scheibenschlagen als Wintervertreiber, lodernde Herz-Jesu-Feuer im Juni oder wildes Krampustreiben im Advent.

Brauchtum lässt seit jeher tief in die Seele des Vinschgau blicken. Und es wird weitergegeben – unverfälscht und von Generation zu Generation.

Weil’s zu uns gehört

Traditionelle Bewässerung auf der malser haide

Die traditionelle Bewässerung über Waale auf der Malser Haide ist ein jahrhundertealtes System, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. In dieser regenarmen Region leiten künstlich angelegte Kanäle das Wasser der Etsch und des Haider Sees auf die Felder, um die Landwirtschaft und eine besondere Biodiversität zu sichern.

Am 5. Dezember 2023 wurde diese einzigartige Kulturtechnik von der UNESCO offiziell in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die Ernennung würdigt den generationsübergreifenden Einsatz der bäuerlichen Familien, die sich Ende der 1990er-Jahre erfolgreich gegen moderne Beregnungsanlagen und für den Erhalt dieser Tradition entschieden haben.

Heute gilt das System als nachhaltiges Modell, das soziale Kooperation mit ökologischem Naturschutz verbindet.

Almabtrieb

Wenn geschmückte Kühe, Ziegen und Schafe im Herbst von den Almen ins Tal zurückkehren, ist das ein Fest für Einheimische und Gäste.

Begleitet von Musik und regionalen Schmankerln ist dieses gesellige Treiben Ausdruck von Dankbarkeit, Naturverbundenheit und echter Südtiroler Lebensfreude.

Scheiben-schlagen

Am ersten Fastensonntag fliegen im Vinschgau brennende Zirbenscheiben, begleitet von guten Wünschen ins Tal.

Beim traditionellen Scheibenschlagen widmen die Werfer ihre handgefertigten Scheiben einer Person ihrer Wahl. Die brennende Scheibe soll symbolischer Lichtbringer und Segensgruß für sie sein.

Herz Jesu

Am dritten Sonntag nach Pfingsten erleuchten Herz-Jesu-Feuer die Bergrücken Südtirols.

Die leuchtenden Zeichen in Herz- oder Kreuzform erinnern an ein Gelöbnis, das die Tiroler Landstände im Jahr 1796 dem Herzen Jesu gaben, um göttlichen Beistand im Kampf gegen die napoleonischen Truppen zu erbitten.

Goasl­schnölln

Ein uralter Brauch aus dem Alpenraum, bei dem kräftige Peitschenknalle durch die Lüfte schallen.

Einst sollte das Schnölln Feinde und Dämonen vertreiben, heute wird die gekonnt geführte Lederpeitsche bei Festen und freudigen Anlässen geschwungen.

Krampus

Anfang Dezember wird’s wild in der Ferienregion Reschensee: Beim traditionellen Tuifllauf ziehen furchteinflößende Krampusse mit lärmenden Glocken, zotteligen Fellen und kunstvoll geschnitzten Holzmasken durch die Straßen.

Der archaische, in der alpinen Kultur tief verwurzelte Brauch, ist alle Jahre wieder ein spannendes Spektakel für Groß und Klein.